Trauma, Psoas & die Fähigkeit, sich selbst zu spüren

Warum unser Körper speichert, was wir nicht auss sprechen – und wie wir wieder Verbindung finden

Unser Körper vergisst nichts. Nicht wirklich.
Er reagiert nicht nur auf äußere Reize, sondern hält auch energetische, emotionale und körperliche Erinnerungen fest – vor allem dort, wo die primären Überlebensreflexe sitzen.

Ein zentraler Muskel in diesem Prozess ist der Psoas – ein tiefliegender Hüftbeuger, der nicht nur Bewegung ermöglicht, sondern auch stark mit unserem Nervensystem, unseren Gefühlen und unserer Überlebensbiologie verbunden ist.


Was ist der Psoas?

Der Psoas (zusammen mit dem Iliacus als Iliopsoas) ist ein tiefer Muskel, der die Lendenwirbelsäule mit den Beinen verbindet und – über seine Lage – zentral mit der Körpermitte, der Atmung, der Haltung und dem Gefühl von Sicherheit verbunden ist. 

Er spielt eine Rolle in:

  • Bewegung (Hüftbeugung, Rumpfstabilität)
  • Atmung (fasziale Verbindung zur Zwerchfellregion)
  • Überlebensreflexen (Kampf-, Flucht- und Freeze-Antwort)
  • Körper-Psyche-Verbindung 

Weil er im archaischen Überlebenssystem sitzt und direkt mit dem ältesten Teil unseres Nervensystems verknüpft ist, reagiert er sofort bei wahrgenommener Gefahr – und bleibt oft angespannt, selbst wenn keine objektive Bedrohung mehr besteht


Warum der Psoas „Trauma“ speichert

Bei Bedrohung aktiviert unser Nervensystem den sogenannten Fight-Flight-Freeze-Reflex – der Körper bereitet sich auf Aktion oder Schutz vor. Der Psoas spannt reflexartig an, um den Rumpf zu stabilisieren und in eine Schutz- oder Fluchtposition zu gehen. 

Doch wenn Stress chronisch wird oder Traumata ungelöst bleiben, bleibt dieser Muskel oft in einem leicht kontrahierten, „alarmbereiten“ Zustand.
Das hat mehrere Auswirkungen:

  • Der Körper „lernt“ überlebensbezogene Spannung als Normalzustand
  • Der Muskel reagiert ängstlich bzw. schützt weiter, auch ohne echte Gefahr
  • Nervensystem und Körper bleiben in einem hohen Alarmzustand

Dies ist kein „mythischer“ Prozess, sondern etwas, das in vielen somatischen Traditionen und Körpertherapien als körperliche Speicherung von emotionalem Stress und Trauma erkannt wird


Welche Emotionen werden im Psoas gespeichert?

Der Psoas wird oft der „Muskel der Seele“ oder der „Traumamuskel“ genannt, weil er mit grundlegenden Emotionen und Überlebensreaktionen verknüpft ist.

Häufige emotionale Aspekte im Psoas:

  • Angst & Hypervigilanz – weil der Muskel Teil des Fight-Flight-Freeze-Systems ist. 
  • Unsicherheit & mangelnde Sicherheit – durch chronische Spannung im Bereich des zentralen Körpers. 
  • Unterdrückte Wut oder Trauer – da Gefühle, die nicht ausgedrückt wurden, im Körper „halten“, insbesondere im Hüftbereich. 
  • Blockierte Intuition bzw. Bauchgefühl – weil der Psoas nahe am Solarplexus und Nervensystem sitzt, wo körperliche Empfindung und emotionale Resonanz zusammenlaufen. 

Diese Verknüpfung macht körperliche Spannungen im Psoas nicht nur zu einem Bewegungsproblem, sondern zu einem Signal der inneren Welt.


Trauma, Körperempfindung & Intuition – wie hängt das zusammen?

Unsere Fähigkeit, uns selbst zu spüren – insbesondere unser Bauchgefühl, unsere Intuition und unsere innere Wahrheit – hängt stark davon ab, ob unser Nervensystem in einem Zustand der Sicherheit und Verbindung ist oder im Daueralarm bleibt.
Ein chronisch gespannter Psoas signalisiert dem System „Gefahr = aktiv bleiben“, und blockiert dadurch:

  • tieferes Spüren
  • intuitive Wahrnehmung
  • körperliche Resonanz
  • emotionale Präsenz

Wir „spüren“ nicht vollständig, weil ein Teil des Körpers noch auf „Schutz“ kalibriert ist. Erst wenn die Körperspannung sinkt, kann der Körper wieder offen und empfänglich werden – für Gefühle, innere Wahrheit und Intuition. 


Wie Körperarbeit den Psoas befreit

Weil körperliche Spannung ein Ausdruck unseres Nervensystems ist, braucht es körperorientierte Methoden, um sie nachhaltig zu lösen. Denken allein reicht oft nicht – das Nervensystem „weiß mehr als der Verstand“.

Methoden, die Psoas-Spannung lösen können:

🧘‍♀️ Trauma-informierte Bewegung

  • sanftes Yoga oder gezielte Psoas-Stretches
  • Bewegungen, die Hüftöffnung, Atmung und Entspannung erlauben
  • langsame Aktivierung, keine forcierte Dehnung

🤲 Körperarbeit / manuelle Therapie

  • myofasziale Release-Techniken
  • therapeutische Massage des Iliopsoas
  • intuitive, achtsame Berührung (z. B. somatische Körperarbeit) 

🧠 Somatic Healing Methoden

  • TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises) – neurogenes Zittern, um tiefe Spannungen zu lösen.

🌀 Atem- und Nervensystemarbeit

  • tiefe, langsame Atmung zur Aktivierung des parasympathischen Nervensystems
  • bewusste Verbindung von Atem & Bewegung 

🧘 Achtsamkeits- oder meditative Bewegung

  • bewusste Wahrnehmung des Körpers statt rein körperlicher Anstrengung
  • Fokus auf Gefühl vor Leistung

Warum gerade Körperarbeit so wichtig ist

Trauma wirkt nicht nur im Geist, sondern im gesamten Nervensystem und im Körper. Solange körperliche Spannungen bestehen, bleibt auch die emotionale und energetische Wirkung davon aktiv.
Körperarbeit spricht diese Spannung direkt an, ohne sie erklären oder rationalisieren zu müssen.

Dadurch entsteht:

  • körperliche Entspannung
  • klare Wahrnehmung von Gefühlen
  • mehr Vertrauen in die innere Stimme
  • tieferes Spüren des eigenen Körpers
  • zugängliche Intuition und innere Wahrheit

Fazit

Der Psoas ist weit mehr als ein Muskel.
Er ist ein Bindeglied zwischen Körper, Nervensystem und emotionalem Erfahrungsgedächtnis – ein Ort, an dem unsere Überlebensgeschichte gespeichert & gehalten werden kann.

Spannungen dort sind deshalb selten „nur körperlich“ – sie sind ein Echo von:

  • alten Schutzreaktionen
  • unverarbeiteten Emotionen
  • eingeschränkter Intuition
  • fehlender Verbindung zu sich selbst

Körperarbeit, die den Psoas achtsam unterstützt und Spannung löst, kann daher nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch emotionale Freiheiten öffnen, die Fähigkeit, sich selbst zu spüren, die innere Wahrheit wahrzunehmen und die Intuition wieder klarer zu hören.

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